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Dienstag, 29. Juni 2010

Das Burka-Verbot und die Folgen für den Tourismus

Während der letzten Wochen erhitzte die Debatte um ein Burka-Verbot vielerorts die Gemüter. Auch Interlaken Tourismus wurde oft damit konfrontiert. Die Tourismus Organisation spricht sich klar gegen ein solches Verbot aus. Zumindest müsste für betroffene Touristinnen eine Sonderregelung geltend gemacht werden.

In Interlaken sind Gäste aus den Golfstaaten gern gesehen. Seit 2003 haben sie sogar um das Zehnfache zugenommen. Grund für die Beliebtheit Interlakens sind mitunter die nähe zur Natur, das Authentische sowie eine Mischung aus Tradition, Erholung und hoher Qualität, Sicherheit sowie ein Hauch von Luxus.

Der Tourismus ist in der Schweiz die drittgrösste Exportindustrie. Diese würde unter einem allgemein geltenden Burka-Verbot leiden. Nebst der Gefährdung von Arbeitsplätzen würden wir mit einem Verbot unseren guten Ruf als weltoffen und tolerant verspielen.

Wir möchten unsere Befürchtungen keinesfalls als Panikmache betrachten. Es ist tatsächlich so, dass Hoteliers bereits mehrfach verängstigte Anrufe von betroffenen Frauen aus den Golfstaaten erhalten haben. Dies zeigt, dass die Diskussion um ein Burka-Verbot auch im arabischen Raum ein Thema ist und eine gewisse Unsicherheit auslöst. Verständlich: Denn ein Burka-Verbot würde die Burka-Trägerinnen in ihrer religiösen Anschauung verletzen oder deren Auslebung zumindest einschränken. Solche Gegebenheiten sind gerade für Kulturen aus dem arabischen Raum sehr heikel und die betroffene Bevölkerung reagiert meist hoch sensibel.

Grundsätzlich finden wir es wichtig, dass wir uns in die Lage unserer Gäste versetzen. Zugegeben, die meisten Europäer liessen sich wegen eines solchen Verbotes wohl kaum von einer Reise abhalten. Kulturen aus dem arabischen Raum empfinden dies jedoch anders und sehen das Verbot als persönliche Verletzung ihrer Weltanschauung. Wir müssen uns aber auch als Westeuropäer die Frage stellen, ob wir tatsächlich noch in ein Land reisen würden, wo wir dazu gezwungen würden, ein Kopftuch zu tragen, im Wissen darum, dass es sich beim Kleidungsstück um etwas Religiöses handelt. Würden wir nicht viel eher nach einer gleichwertigen Alternativ-Destination suchen, die von uns kein Kopftuch verlangt? Weshalb also sollte eine Burka-Trägerin in die Schweiz reisen, wenn Österreich kein Verbot kennt und der Schweiz sehr ähnlich ist?

Abschliessend ist zu sagen, dass es primär nicht um dieses Verbot als Sache an sich geht. Wir bedauern viel mehr die negative Signalwirkung der Diskussion nach aussen. Innert kurzer Zeit wird in der Schweiz nach der Minarett-Initiative bereits zum zweiten Mal eine heikle kulturelle Frage diskutiert, welche im arabischen Raum kritisch aufgenommen wird. Es mag wohl sein, dass aufgrund dessen bei uns noch keine Hunderte von Arbeitsplätzen verloren gehen. Kumuliert man die negativen Auswirkungen – welche die Diskussion um das Burka-Verbot definitiv auslöst oder bereits ausgelöst hat – mit anderen aktuellen Schwierigkeiten wie der ungünstigen Währungslage, so sieht sich die Tourismusbranche tatsächlich Problemen gegenübergestellt, welche letztendlich zu Arbeitsplatzverlusten führen können.

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