Herzlich Willkommen! Dieses Onlinetagebuch bringt Ihnen Erfahrungen, Informationen und andere wissenswerte Schreibereien von Interlaken Tourismus' Mitarbeiter/Innen näher.


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Dienstag, 14. Februar 2012

Auf Verkaufstour im nahen Osten...

Seit dem letzten Freitag bin ich wieder in den Golfstaaten unterwegs um für Interlaken die Werbetrommeln zu rühren. Dies ist nun bereits meine sechste Reise nach Saudi Arabien und somit gehöre ich in der Reisegruppe - welche von Schweiz Tourismus angeführt wird - bereits zu den Dinosauriern auf diesem Markt. Dieses Jahr werde ich begleitet von Philippe Kuonen von den Jungfraubahnen und Corinna Zöchling vom Hotel Metropole, welche sich für die Women meet Women Tour eingeschrieben hat. Bei der Women Delegation geht es vor allem um Netzwerkpflege zu einflussreichen Frauen, da in diesen Ländern die Frau der Entscheidungsträger für eine Reise ist. Auf unserer einwöchigen Reise finden insgesamt 16 Events statt, von Travel Agents Workshops bis zu Receptions in Schweizer Botschaften. Zusammen mit der Frauendelegation können wir über 1000 potentielle Kontakte erreichen. Folgende Städte werden besucht: Jeddah, Riyadh, Dammam, Kuwait, Doha, Abu Dhabi und Dubai.

Bereits am ersten Tag der Reise erfuhren wir die Besonderheiten dieser spannenden Länder. So erreichte die notwenige Bewilligung - zur Austragung eines Anlasses von Männer und Frauen im gleichen Raum - das Hotel in Jeddah zu spät und so mussten wir unfreiwillig die Pressekonferenz etwas verkürzen, da der Hotelmanager auf Druck der Religionspolizei angehalten wurde, die Veranstaltung zu beenden. Ebenfalls in Riyadh spürten wir, das wir uns nicht auf einer Schweizreise befinden: Schweiz Tourismus organisierte im Vorfeld im Hotel Al Faisaliah Top Räume für unseren Tradeworkshop. Doch ein Tag vor Anreise wurde uns vom Hotel mitgeteilt, dass die gebuchten Räume leider nicht mehr zur Verfügung stehen, da eine Delegation des Königs diese in Anspruch nimmt. So mussten wir kurz umdisponieren und in ein Restaurant ausweichen. Auch ist das Zeitgefühl in diesen Ländern ganz anders, wenn die Veranstaltung auf 19h angesetzt ist, erscheinen die ersten um 19.30 und der Hauptanteil findet sich ca. um 20h ein. Dies bedingt von uns sich auf diese Gegebenheiten einzustellen und offen auf die uns scheinbar unbekannte Kultur zuzugehen.

Interlaken geniesst mittlerweile einen sehr guten Ruf in Saudi Arabien und ist zu einer „Must See“ Destination auf einer Schweizreise geworden. Auch neue Destinationen bearbeiten den stark wachsenden Markt, um sich von der Abhängigkeit von Euro-Ländern etwas entlasten zu können.

Jetzt heisst es aber wieder Anzug und Krawatte anziehen und treu unserem Motto „Sell it“ den Travel Agents von Dammam Interlaken schmackhaft zu machen.

Donnerstag, 12. August 2010

Wo sind die Araber hin?

Sind Sie diesen Sommer auch einmal entlang des Höhewegs in Interlaken spaziert? Dann sind sie Ihnen bestimmt auch aufgefallen. Ja genau, ich rede von unseren Arabischen Gästen. Tatsächlich ist es so, dass während des letzten Jahrzehnts immer mehr Reisende aus den Golfstaaten den Reiz an der Schweiz, im Speziellen an Interlaken für sich entdeckten. War es also bloss Einbildung, dass uns die arabischen Gäste gerade diese Saison besonders ins Auge gefallen sind, vielleicht wegen der intensiven Debatte um das Burka-Verbot? Nein, das stimmt definitiv nicht. Ich kann Ihnen versichern, dass während dieser Saison aussergewöhnlich viele Araber bei uns in Interlaken logierten. Sie wurden schon fast zu einem festen Bestandteil des Ortsbildes.

Seit kurzem scheint sich gerade dieses „neue“ Ortsbild aufgelöst zu haben oder man könnte sagen: Es hat sich wieder „normalisiert“. Als ich vergangenes Wochenende so durch die Strassen Interlakens schlenderte, stellte sich mir doch unweigerlich die Frage: Wo sind sie alle hin? Weshalb gucken keine neugierigen, dunklen Augen mehr durchs Fernrohr zur Jungfrau? Sind eigentlich keine Frauen mit Schleiern mehr unterwegs? Tatsächlich: Die meisten Gäste aus den Golfstaaten scheinen uns Richtung Heimat verlassen zu haben. Grund dafür dürfte der Beginn des Fastenmonats Ramadan sein. Während dieser Zeit reisen die wenigsten Araber. Nun atmen hier vor Ort wohl einige auf. Schliesslich zählen die Touristen aus den Golfstaaten nicht gerade zu den pflegeleichtesten Gästen. Aber auf sie verzichten möchten wir keineswegs. Nicht zuletzt sind sie es, welche den Reiz der „pure Swissness“ hier dermassen schätzen. Ich persönlich vermisse unsere arabischen Gäste, die das Ortsbild mit ihrer exotischen Art belebt haben, schon jetzt und hoffe deshalb stark, dass die reisefreudigen Araber ihren Weg nächstes Jahr wieder nach Interlaken, ins Herz der Schweiz, finden werden. Trotz Mehrarbeit und zusätzlicher Anstrengungen… weil die Gäste es uns wert sind.

Dienstag, 29. Juni 2010

Das Burka-Verbot und die Folgen für den Tourismus

Während der letzten Wochen erhitzte die Debatte um ein Burka-Verbot vielerorts die Gemüter. Auch Interlaken Tourismus wurde oft damit konfrontiert. Die Tourismus Organisation spricht sich klar gegen ein solches Verbot aus. Zumindest müsste für betroffene Touristinnen eine Sonderregelung geltend gemacht werden.

In Interlaken sind Gäste aus den Golfstaaten gern gesehen. Seit 2003 haben sie sogar um das Zehnfache zugenommen. Grund für die Beliebtheit Interlakens sind mitunter die nähe zur Natur, das Authentische sowie eine Mischung aus Tradition, Erholung und hoher Qualität, Sicherheit sowie ein Hauch von Luxus.

Der Tourismus ist in der Schweiz die drittgrösste Exportindustrie. Diese würde unter einem allgemein geltenden Burka-Verbot leiden. Nebst der Gefährdung von Arbeitsplätzen würden wir mit einem Verbot unseren guten Ruf als weltoffen und tolerant verspielen.

Wir möchten unsere Befürchtungen keinesfalls als Panikmache betrachten. Es ist tatsächlich so, dass Hoteliers bereits mehrfach verängstigte Anrufe von betroffenen Frauen aus den Golfstaaten erhalten haben. Dies zeigt, dass die Diskussion um ein Burka-Verbot auch im arabischen Raum ein Thema ist und eine gewisse Unsicherheit auslöst. Verständlich: Denn ein Burka-Verbot würde die Burka-Trägerinnen in ihrer religiösen Anschauung verletzen oder deren Auslebung zumindest einschränken. Solche Gegebenheiten sind gerade für Kulturen aus dem arabischen Raum sehr heikel und die betroffene Bevölkerung reagiert meist hoch sensibel.

Grundsätzlich finden wir es wichtig, dass wir uns in die Lage unserer Gäste versetzen. Zugegeben, die meisten Europäer liessen sich wegen eines solchen Verbotes wohl kaum von einer Reise abhalten. Kulturen aus dem arabischen Raum empfinden dies jedoch anders und sehen das Verbot als persönliche Verletzung ihrer Weltanschauung. Wir müssen uns aber auch als Westeuropäer die Frage stellen, ob wir tatsächlich noch in ein Land reisen würden, wo wir dazu gezwungen würden, ein Kopftuch zu tragen, im Wissen darum, dass es sich beim Kleidungsstück um etwas Religiöses handelt. Würden wir nicht viel eher nach einer gleichwertigen Alternativ-Destination suchen, die von uns kein Kopftuch verlangt? Weshalb also sollte eine Burka-Trägerin in die Schweiz reisen, wenn Österreich kein Verbot kennt und der Schweiz sehr ähnlich ist?

Abschliessend ist zu sagen, dass es primär nicht um dieses Verbot als Sache an sich geht. Wir bedauern viel mehr die negative Signalwirkung der Diskussion nach aussen. Innert kurzer Zeit wird in der Schweiz nach der Minarett-Initiative bereits zum zweiten Mal eine heikle kulturelle Frage diskutiert, welche im arabischen Raum kritisch aufgenommen wird. Es mag wohl sein, dass aufgrund dessen bei uns noch keine Hunderte von Arbeitsplätzen verloren gehen. Kumuliert man die negativen Auswirkungen – welche die Diskussion um das Burka-Verbot definitiv auslöst oder bereits ausgelöst hat – mit anderen aktuellen Schwierigkeiten wie der ungünstigen Währungslage, so sieht sich die Tourismusbranche tatsächlich Problemen gegenübergestellt, welche letztendlich zu Arbeitsplatzverlusten führen können.